Märchen aus 1001 Nacht
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Vor langer Zeit lebte in Samarkand ein König namens Schahrirar. Seine Frau war gestorben.
Einsam lebte er auf seinem Schloss und langweilte sich so sehr, dass er nachts keinen
Schlaf fand.
Da befahl er seinem Großwesir, ihm jede Nacht ein Mädchen zu seinem Amüsement zu bringen.
Und jedes Mal, wenn der Tag graute, befahl er, dem Mädchen den Kopf abschlagen zu lassen,
und er hatte Spaß daran.
Die Menschen hatten Angst vor dem grausamen Tyrannen und flohen mit ihren Töchtern aus
der Stadt. Bald gab es keine jungen Mädchen mehr. Nur der Großwesir hatte zwei Töchter,
die eine hieß Sheherazade, die andere Dunjazade.
Sheherazade hatte viele Bücher gelesen und kannte viele Geschichten und Legenden. Sie
war sehr schön und klug. Als sie ihren Vater so in Sorge sah, sprach sie: "Ach Vater,
mich kümmert dein sorgenbeladenes Herz. Dieses Morden muss endlich ein Ende haben.
Bitte bringe mich zum König!"
Im Geheimen hatte sie mit ihrer Schwester einen Plan gefasst, wie sie den König dazu
bringen könnte, keine Mädchen mehr töten zu lassen. Sie erzählte ihrem Vater davon,
und schließlich gab er nach und brachte sie zum König.
Als Sheherazade neben dem König saß, seufzte sie: "Ach lieber Herr, ich habe eine
jüngere Schwester. Sie sorgt sich sehr um mich, und wie gern würde ich mich noch von
ihr verabschieden." Da ließ der König die Schwester rufen.
Wie es die beiden Mädchen abgesprochen hatten, sagte Dunjazade nach einer Weile zu ihrer
Schwester: "Sheherazade, erzähl' uns doch eine deiner wunderbaren Geschichten!" "Mit Freuden,
wenn es der große König erlaubt!" "Beginne!", sagte er, denn er hörte gern Geschichten und
war gespannt, was sie erzählen würde.
Sheherazade begann ihre Erzählung, und der König lauschte die ganze Nacht und war wie
verzaubert. Als der Morgen graute, sprach Dunjazade: "Es war eine wunderschöne Geschichte,
meine liebe Schwester." Und Sheherazade entgegnete: "Ach, ich könnte in der nächsten Nacht
noch schönere Geschichten erzählen, wenn ich dann noch am Leben wäre."
Da dachte sich der König: Ich werde sie nicht töten lassen, bevor ich nicht mehr ihrer
Geschichten gehört habe. Er schickte Sheherazades Schwester nach Hause und widmete sich
seinen Staatsgeschäften. Ungeduldig erwartete er den Abend. Als endlich die Nacht anbrach,
ließ er Sheherazade zu sich bringen. Sie setzte sich und begann zu erzählen.
- Der Magnetberg
- Der bucklige Zwerg
- Aladin und die Wunderlampe
- Ali Baba und die vierzig Räuber
- Sindbad der Seefahrer
Und Sheherazade erzählte ihre Geschichten bis tausend und eine Nacht vergangen waren, und der
König war ein anderer geworden. Von nun an regierte er mit Güte und Weisheit das Land, so
hatten ihn die Geschichten des Mädchens verzaubert. Und die schöne Sheherazade hatte er so
lieb gewonnen, dass er sie fragte, ob sie seine Frau werden wolle.
So wurde Sheherazade Königin, und es kamen glückliche Zeiten für das Land. Sie gebar drei
Kinder, und sie lebten in Frieden. Niemals vergaß der König, dass er sich durch Sheherazade
und ihre Geschichten verändert hatte. Und er dankte Allah dafür. Die Jahre vergingen, und die
Menschen priesen von nun an ihren guten und mildtätigen Herrscher.
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